Schaffer im Verein Silvia Maier-Deess engagiert sich beim SV Steinbach aus Pflichtgefühl und weil es ihr einfach Spaß macht

Zu Hause rumsitzen ist nicht ihr Ding

Serie: Schaffer im Verein Silvia Maier-Deess engagiert sich beim SV Steinbach aus Pflichtgefühl und weil es ihr einfach Spaß macht

„Ich bin ein Vereinsmeier, ganz einfach.“ Lachend beantwortet Silvia Maier-Deess die Frage, warum sie sich auf derart vielseitige Art beim SV Steinbach engagiert. „Mit den Dummen treibt man einen Verein um“, schiebt die 57-Jährige mit angenehmer Selbstironie hinterher, dann ganz im Ernst: „Wenn es nicht Leute wie mich und viele andere geben würde, könnte ein Verein nicht funktionieren.“

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Obwohl sie seit ihrer Geburt in Steinbach lebt, war es nicht unbedingt zwingend, bei dem 1920 gegründeten, rund um die Dorfhalle beheimateten Verein zu landen. Der Vater kickte eine Weile, insgesamt waren die Eltern aber sicher nicht das, was man Urgesteine eines Klubs nennen würde.

Die Tochter ging allerdings irgendwann ins Kinderturnen, „da war ich vielleicht fünf“. Mädchen aller Altersstufen wurden zusammen betreut, „die Älteren begannen dann auf alles zu tanzen, was damals modern war“. An Auftritte bei der Jahresfeier kann sich Maier-Deess erinnern, „da war ich im Teeny-Alter“. Als die Übungsleiterin Schluss machte und keine Nachfolgerin aufzutreiben war, „haben zwei Freundinnen und ich das übernommen“. Selbst noch keine 15, begann das, was sie zu dem Vereinsmeier machte, der sie gerne ist.

Die Vereinswoche beginnt am Montag mit der Walkinggruppe

Die Steinbacherin kickte auch – erst in Kleinaspach, dann in Rietenau und Weiler zum Stein. Ihren Walter, mit dem sie 31 Jahre verheiratet ist und der beim SVS bis vor ein paar Jahren als Jugend- und Aktiventrainer im Einsatz war, lernte sie trotz allem nicht auf dem Sportplatz kennen, sondern auf der Jahresfeier des Vereins. Fußball und Turnen sind die beiden Leidenschaften von Silvia Maier-Deess geblieben, nicht umsonst sind das die beiden Abteilungen, aus denen der SVS besteht.

Nach einer Pause von wenigen Jahren, die sie zwischendurch mal eingelegt hatte, stieg sie wieder ein und übernahm zwei Turngruppen aus Mädchen und Jungen. „Als ich 1992 mit dem Fußball aufgehört habe, kam die Frauengymnastik dazu.“ Macht drei Gruppen, die sie bis heute unter ihren Fittichen hat. Dabei blieb’s nicht, „aus einer Laune raus gründeten wir eine Walkinggruppe“. Mit der beginnt die Woche für Silvia Maier-Deess montags um 8.30 Uhr, „es freut mich, dass auch viele Männer dabei sind, darauf bin ich stolz“. Am selben Tag von 16 bis 18 Uhr kümmert sich die Übungsleiterin ums Kinderturnen, jeweils 60 Minuten sind die Drei- bis Fünf- und die Fünf- bis Achtjährigen dran. Am Mittwochabend ist die Frauengymnastik angesagt, doch damit ist noch längst nicht alles aufgezählt, was die Mutter zweier Töchter für den Verein tut. „Ich hatte und habe noch ein paar andere Pöstchen“, sagt sie und grinst schelmisch.

Lange Jahre spielte sie in der Theatergruppe des SVS, „das war eine schöne Zeit, mein Mann war als Souffleur auch dabei“. Von Oktober bis zur Jahresfeier wurde geprobt, irgendwann übernahmen die Jüngeren, heute gibt es diese Gruppe nicht mehr. Die Kooperation des Vereins mit der Grundschule in Sachsenweiler lag eine Zeit lang in ihren Händen, aber auch fürs Amüsement der Mitglieder und anderer Gäste trägt sie Verantwortung. „Ich bin im Organisationsteam der Jahresfeier und des Altweiberfaschings“, erzählt Maier-Deess. Die Idee für die Veranstaltung in der närrischen Zeit „entstand beim Frauenausflug auf Mallorca mit Renate Maier“, wurde gegen Widerstände durchgesetzt und etablierte sich. Einkauf, Arbeitsplan, Ticketkauf – alles was dazugehört, erledigt das bewährte Duo, das aber zunehmend Hilfe erhält und sich darüber freut. „Nur beim Aufräumen und Putzen am Freitagmorgen sind wir meist zu zweit.“

Aufhören kommt fürs SVS-Urgestein nicht infrage, im Gegenteil: „Wir überlegen, Seniorensport anzubieten.“ Ihr würde ohne die Vereinsarbeit etwas fehlen, sagt sie, „nur zu Hause herumsitzen ist nichts für mich“. Weil es irgendwann aber auch ohne sie und andere Mitarbeiter weitergehen müsse, appelliert sie an den Nachwuchs: „Es gehört dazu, bei Veranstaltungen zu helfen und Verantwortung zu übernehmen. Ich sehe einen Verein als große Familie.“ Ein Vereinsmeier zu sein, ist für Silvia Maier-Deess eine Auszeichnung.